Schwanger mit Übergewicht und Adipositas

Die Risiken in der Frühschwangerschaft
Das erste Trimester ist für die meisten übergewichtigen oder adipösen Schwangeren nicht einfach: Viele leiden unter Müdigkeit, Übelkeit und anfänglich oftmals auch der Sorge einer Fehlgeburt. Diese tritt in den ersten zwölf Wochen häufig auf. Gerade Frauen mit Übergewicht oder Adipositas sind besonders oft betroffen. Viele Frauen mit starkem Übergewicht oder Adipositas ernähren sich zudem ungesund. Das ist an sich schon ein Problem für ihre Gesundheit. Doch insbesondere in der Frühschwangerschaft ist eine ausgewogene Ernährung besonders wichtig. Wichtige Nährstoffe wie beispielsweise Folsäure sollten außerdem substituiert werden, denn fehlt dem : Embryo Folsäure, kann es zu einem Neuralrohrdefekt kommen, zum Beispiel dem sogenannten „offenen Rücken“. Wird diese Fehlbildung nicht noch vor der Geburt behandelt, kann sie schwerwiegende Folgen für das Kind haben – von Magen-Darm-Störungen bis hin zu gelähmten Beinen. Daher empfehlen Frauenärztinnen und -ärzte dringend, bereits ab Kinderwunsch ergänzend Folsäure zu nehmen.
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Schwangerschaftsdiabetes: je mehr Übergewicht, desto höher das Risiko
Alle Schwangeren haben ab Mitte der Schwangerschaft mehr Zucker im Blut, damit das Baby gut mit Energie versorgt ist. Normalerweise macht das nichts aus – der Körper reagiert darauf mit einer gesteigerten Insulinproduktion. Manchmal kommt es jedoch vor, dass diese nicht ausreicht oder die Körperzellen nicht empfindlich genug auf das Insulin reagieren. Die Folge: Der Blutzuckerspiegel ist dauerhaft erhöht – Diabetes entsteht. Gerade Übergewichtige sind davon vermehrt betroffen:
- Ab einem BMI von 25 kg/m², also bereits bei leichtem Übergewicht, ist das Risiko zwei- bis sechsfach erhöht.
- Bei adipösen Schwangeren (ab einem BMI über 30 kg/m²) steigt das Risiko auf das bis zu Zwanzigfache.
Welche Risiken haben adipöse Mütter im weiteren Schwangerschaftsverlauf?
Vor allem für Schwangere mit Adipositas bestehen neben dem Schwangerschaftsdiabetes noch weitere Risiken. Bei ihnen treten vermehrt auf:
- Herz-Kreislauf-Probleme
- Präeklampsie, die sogenannte „Schwangerschaftsvergiftung“, die zu lebensgefährlichen Krampfanfällen führen kann.
- Fehlbildungen des Embryos
- Früh- und sogar Totgeburten
- Erhöhte Säuglingssterblichkeit nach der Geburt
Starkes Übergewicht erschwert die ärztliche Betreuung. Zwar gelten Adipöse als Risikoschwangere und erhalten dadurch engmaschigere Untersuchungen. Allerdings ist die Sicht auf das Baby beim Ultraschallgerät eingeschränkt und weniger verlässlich. Auch sind die Herztöne des Kindes schwieriger aufzuzeichnen.
Wie viel Gewicht dürfen übergewichtige Schwangere zunehmen?
Während Frauen mit einem niedrigen BMI während der Schwangerschaft bis zu 18 kg zunehmen dürfen, sieht das bei übergewichtigen Schwangeren anders aus: Bei einem BMI von 25 bis 29,9 kg/m² empfehlen Expertinnen und Experten eine maximale Gewichtzunahme von 11,5 kg. Noch weniger ist es bei Schwangeren mit Adipositas: „Sie müssen eigentlich gar nicht zunehmen“, betont Diabetologin und Gynäkologin Schäfer-Graf. „Bis zu fünf Kilo reichen vollkommen aus.“ Vor allem das Sprichwort „Schwangere müssen für zwei essen“ sei in dieser Situation irreführend: „Schwangere brauchen im letzten Trimester nur 200 bis 300 zusätzliche Kalorien pro Tag.“ Das entspricht ungefähr einer Scheibe Vollkornbrot mit Käse.
Adipös und schwanger: Risiken bei der Geburt und darüber hinaus
Oft ist nicht nur die Mutter selbst schwer – auch das Kind im Bauch nimmt überdurchschnittlich viel zu. Das kann zur sogenannten fetalen Makrosomie führen. „Dabei liegt das Kind vom Gewicht über der 90. Perzentile“, erklärt Schäfer-Graf. Das heißt, es wiegt bei einer termingerechten Geburt über 4.000 g. Das kann Probleme bereiten – etwa kann das Baby mit der Schulter im Geburtskanal hängen bleiben, was den Geburtsverlauf schwierig gestaltet und dringende Maßnahmen erfordert. „Bei adipösen Müttern muss öfter ein Kaiserschnitt gemacht werden, weil die Geburt verzögert verläuft und die Gebärenden vermindert auf Wehenmittel ansprechen“, führt Schäfer-Graf aus. „Auch bei einer vaginalen Geburt gibt es häufiger Komplikationen: Es kommt eher zu Geburtsverletzungen und damit zu stärkeren Blutungen.“
Ist die Mutter in der Schwangerschaft stark übergewichtig oder adipös, wirkt sich das langfristig auf die Gesundheit ihres Kindes aus. „Adipositas hat einen genetischen Effekt“, erläutert Schäfer-Graf. „Dadurch hat das Kind ein erhöhtes Risiko, selbst adipös zu werden. Verstärkt wird das noch, wenn die Frau zusätzlich Diabetes hat und das Kind bereits in der Gebärmutter durch hohe Blutzuckerwerte der Mutter belastet war. Und natürlich prägt auch der Lebensstil der Familie lebenslang.“
Schwanger mit Übergewicht: So minimieren Sie mögliche Schwierigkeiten
Eine gute Ernährung in der Schwangerschaft
- Trinken Sie viel Wasser oder ungesüßten Tee.
- Essen Sie mindestens fünf Portionen Gemüse und Obst pro Tag.
- Es sollten täglich Nüsse auf Ihrem Speiseplan stehen und einmal pro Woche Hülsenfrüchte.
- Reduzieren Sie Kohlenhydrate – und greifen Sie am besten zu Vollkorn- statt Weißmehl.
- Essen Sie täglich fettarme Milchprodukte und ein- bis zweimal die Woche Fisch. Ersetzen Sie tierische Fette wie Butter durch pflanzliche Alternativen.
- Gelegentlich können Sie mageres Fleisch essen. Empfohlen werden jedoch nur 300 g pro Woche.
- Fettreiches Fleisch, Wurst, Süßigkeiten und salzige Snacks sollten Ausnahmen sein.

Prof. Ute Schäfer-Graf
Leiterin Diabeteszentrum für Schwangere (St. Joseph Krankenhaus in Berlin-Tempelhof)
Die Fachärztin für Gynäkologie ist Diabetologin DDG und der Berliner Ärztekammer sowie Perinatologin. Seit 2005 ist Prof. Ute Schäfer-Graf Leiterin des Vivantes Kompetenzzentrum Diabetes und Schwangerschaft. Zudem hat sie seit 2013 einen Lehrstuhl an der Medizinischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin.
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